Wie einige von euch bestimmt schon mitbekommen haben: Seit ein paar Tagen besitze ich ein Mountainbike. Ich, der absolute Angsthase, wenn es um losen Untergrund geht – und um Abfahrten. Schon lange wollte ich ein geländetaugliches Rad haben, um auch abseits der Straßen mein Unwesen treiben zu können. Der Umzug nach Heimfeld direkt an das Mountainbike-Revier Harburger Berge war der Anlass, endlich bei eBay Kleinanzeigen zuzuschlagen. Nun habe ich also ein älteres Giant MTB. Bisher ist es nur ganz lieblos „das Giant“ getauft. Werden das Giant und ich Freunde? Ob sich das MTB freut, endlich artgerecht behandelt zu werden? Bestimmt! Aber es wird sich denken, warum grade ausgerechnet von mir… 😀

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Die erste Fahrt gestern: Erkundungstour zwischen Selbstüber- und Unterschätzung. Fahrt zwei – heute:

Ich habe mich ja nun schon ein wenig an das Giant gewöhnt. Dieses Mal will ich etwas weniger ängstlich als am Vortag sein. Bis zur ersten Abfahrt klappt das ganz gut, also wirklich bis zur allerersten. Dort wirft eine Wurzel das Giant etwas aus der Bahn. Oder besser gesagt, diese Anfängerin hat die rutschige Wurzel in einem recht ungünstigen Winkel angefahren. Kaum losgefahren, schon liege ich. Egal, weiter gehts!

Dummerweise gibt dieser Sturz meinem inneren Angsthasen verdammt viel Durchsetzungsvermögen. Die Sache mit dem etwas mutigerem Fahren klappt so ganz und gar nicht. Bei jeder kleinen Stufe halte ich plötzlich an. Bin ich nicht gestern noch etwas übermotiviert über den 30 cm Absatz mitten in die Schlammpfütze geflogen? (Kleine Anmerkung: Ich bin da tatsächlich nicht gestürzt, das hätte aber lustig ausgesehen.) Nun also Modus maximaler Angsthase. Nachdem ich einen Hügel, den ich am Vortag noch gefahren wäre, runterschiebe, esse ich erst einmal etwas Mut-Schokolade. Schokolade hilft da bestimmt. Irgendwas muss ja schließlich helfen. Was sollte besser helfen als Schokolade?

Ein kurzer Blick zurück und weiter geht die Fahrt. Moment, da bin ich grade runter gekommen? Okay, das wäre ich gestern doch nicht gefahren…

Ich treffe eine nette Gruppe MTBler, die grade vor einem Trail, in den ich rein fahren will, eine Pause macht. Leider können sie mir die Frage nicht beantworten, ob dieser gut fahrbar sei. Sie sind ebenfalls in meine Richtung unterwegs und kennen sich in den Harburger Bergen nicht aus. Ich fahre vor, verabschiede mich, wohl wissend, dass sie mich sehr bald wieder einholen werden. Dieser Trail ist eine einzige Schlammschlacht – und ich auch in Gesellschaft der Anderen ein Angsthase. Ganz am Ende rutsche ich beim Umfahren einer tiefen Schlammpfütze noch über einen Ast und lande im weichen Laub. Irgendwie habe ich das kommen sehen. Immerhin nicht im Matsch gelandet.

Meine Route führt mich direkt am Zaun des Wildparks entlang. Auch dieser Trail fährt sich nicht besonders schön. Sehr viel Matsch, Äste, Bäume… Ob ich mich wohl im Falle eines Sturzes an dem Zaun festhalten könnte? Plötzlich der Aufschrei einer Wildparkbesucherin: „Oh mein Gott, ein Radfahrer!“ Langsam gucke ich an mir herunter. Sehe ich nun schon so schrecklich aus? Die linke Seite von mir ist etwas brauner. Sonst scheine ich jedoch eigentlich noch ganz normal auszusehen. Ich entscheide mich, auf diesen Ausruf mit einem neutralen „Moin“ zu reagieren.

Die Wege bleiben extrem matschig. Irgendwann bewegt sich plötzlich mein Hinterrad weg und ich liege schon wieder im Laub. Den Verursacher finde ich unter der dicken Laubschicht gar nicht. Nun habe ich aber langsam doch ein wenig die Schnauze voll von den Trails. Meine Mutlosigkeit und die doofen Wege frustrieren mich. Nächstes Mal sollte ich vielleicht wieder die Strecke von Samstag fahren.

Die letzten Kilometer kenne ich bereits vom Vortag. Plötzlich fahre ich etwas, was ich mich gestern nicht getraut habe. Endlich ein kleines Glücksgefühl! Das Gleiche nochmal – und nochmal. Ach nee – aggressiver Chihuahua versperrt den Weg. Dann eben doch wie gestern schieben. Vielleicht besser so. Nicht, dass ich noch übermütig werde…

Strava: Samstag

Strava: Sonntag