Dies ist der zweite Teil meines Reiseberichtes. Den Ersten findet ihr hier.

Irgendwann abends nach meiner Ankunft kam Jonas Goy als Dritter am Checkpoint an. Sein französisch verstand ich im Gegensatz zu den Anderen nicht. Doch glücklicherweise war das TCR Team so lieb, das Wichtigste zu filmen und auf youtube mit Untertitel zu veröffentlichen. Es war echt irre, wie fit der Typ wirkte. Die 2000 km sah man ihm definitiv nicht an. Er hätte auch grade von einer gemütlichen Nachmittagsausfahrt kommen können.

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Dies ist Jonas Goy, als er am Checkpoint ankommt.

Anschließend genehmigte ich mir die bereits im vorigen Artikel erwähnte Dusche. Auf derartigen Touren lernt man Duschen extrem zu schätzen. Immer wieder schön zu erleben, wie toll eine Dusche sein kann.

Leider entschlossen sich die beiden nächsten Fahrer gegen einen spätabendlichen Aufstieg zum Checkpoint. Sie schliefen irgendwo weiter unten. Ich döste etwas im Hotelvorraum. Wie lange werden sie schlafen? Einer der Helfer hatte Schicht und musste wach bleiben. Immer wieder den Tracker aktualisieren und gucken, ob sich einer der Punkte in Bewegung setzt. Theoretisch ist es auch möglich, dass ein Tracker ausgefallen ist und plötzlich jemand überraschenderweise ankommt.

Kurz nach Sonnenaufgang war es dann endlich so weit. Der Vierte, Mathias Dalgas, erreichte den Checkpoint.

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So hübsch war der Sonnenaufgang.

Im Gegensatz zum Jonas sah man Mathias die vielen Kilometer an. Er wirkte absolut müde. Außerdem schien ihm Gesellschaft gut zu tun. Er verbrachte eine Weile oben am Checkpoint, aß etwas, redete eine Weile mit uns und ruhte sich ein wenig aus.

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Mathias Dalgas erreicht als Vierter den CP3.

Hier ist das offizielle Video vom dritten Checkpoint. Zuerst sieht man Mathias, dann den Jonas. Als Jonas oben ankommt, bin ich sogar auch zu sehen (schwarze Daunenjacke).

Inzwischen erreichte auch Ian To das Berghotel. Noch nicht einmal ganz angekommen, rief er nach der Toilette – und verschwand. Nun waren zwei schicke Räder da, die begutachtet werden konnten.

Auch Race-Koordinatorin Juliana Buhring kämpfte sich mit dem Rad den Anstieg zum Checkpoint hoch. Die morgendliche Hitze führte anschließend dazu, dass sie ein Bad im eiskalten Bergsee nahm. Mir reichte es eindeutig, kurz mit den Füßen reinzugehen. Gefühlt waren diese bereits nach ein paar Sekunden ein Eisklotz.

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Juliana Buhring nimmt ein für diese Temperaturen sehr ausgiebiges Bad.

Anschließend erschien Geoffroy Dussault, der auch noch absolut fit wirkte. Er erzählte mir, dass er mental nicht besonders stark sei. Daraufhin hatte ich tausend Fragezeichen im Kopf, was denn für ihn mental stark bedeuten würde. Wie kann man mental nicht stark sein, wenn man nach der Hälfte des Rennens auf Platz 6 liegt? Nachdem er sogar noch einen kleinen Unfall hatte und das Rad reparieren lassen musste… (Dieser Herr belegte später den vierten Platz.)

Danach war eine etwas größere Lücke zwischen den Teilnehmern. Ich entschied mich, mich vorerst vom Checkpoint zu verabschieden und einen Campingplatz aufzusuchen. Ich brauchte dringend mal wieder richtigen Schlaf.

Die Strecke war hübsch. Die Slowakei fuhr sich erstaunlich angenehm. Die Autofahrer lassen einem deutlich mehr Platz als in Deutschland. Es gibt kaum Radwege und die Grundaggressivität schien zu fehlen. Wahrscheinlich weil dort fast jeder weiß, wie es ist, mit dem Rad auf der Straße zu fahren. Auf der Straße fahrende Radfahrer, auch sehr langsame, sind für die Autofahrer Normalität. In Deutschland trauen sich diese gar nicht erst auf die Straße oder kurven auf schlechten Fußwegen herum.

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Auf dem Weg zu einem Campingplatz

Am Campingplatz angekommen fiel ich über eine riesige Menge Essen her. Beim Essen schrieb ich noch einen Artikel für Roadcycling.de, den ich aber am darauf folgenden Abend noch einmal aktualisieren musste.

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Darunter habe ich bestens geschlafen.

Strava-Link: kleine Tour runter zum Campingplatz

Ich ließ mir am Morgen sehr viel Zeit und überlegte, was ich nun vor hatte.

Der eigentliche Plan meiner Tour war, irgendwie am Checkpoint anzukommen, dort unbestimmt lange zu bleiben und irgendwann über Tschechien Richtung Deutschland zurück zu fahren. Die geplante Route ging bis zurück nach Lübeck, doch wollte ich mir offen halten, wie viel ich davon wirklich auf dem Rad zurück lege.

Eigentlich hatte ich gesagt, ich würde noch einmal zum Checkpoint hoch fahren. Doch dummerweise tat mein rechtes Knie seit des Aufstiegs etwas weh. Die 200 km mit den über 3000 Höhenmetern und einem besonders steilem, langen Endanstieg waren für mich als Flachländerin vielleicht doch etwas zu viel. Ein paar TCR Fahrer wollte ich aber auf jeden Fall noch treffen, besonders Melissa Pritchard, die führende Frau.

Recht planlos fuhr ich los. Ich entschied mich, erst einmal Richtung Checkpoint zu fahren. Ich hielt dauernd an, um Trackleaders zu aktualisieren. Nicht, dass ich jemanden ganz knapp verpasse. Doof nur, dass ich die meiste Zeit keinen Internetempfang hatte…

Irgendwann, als ich Trackleaders dann mal aktualisieren konnte, stellte ich fest, dass sich Melissa im Gegensatz zu den vorherigen Teilnehmern für eine nördlichere Route entschieden hatte. Sie war bereits auf der langen Straße, auf der ich mich auch befand. Also umdrehen und ihr entgegen fahren! Während sie sich eine ewig lange Steigung hoch quälen musste, konnte ich ihr gemütlich entgegen rollen. Nach zehn Kilometer Fahrt sah ich sie endlich. Vollbremsung und Foto machen! Ein paar nette Worte im Vorbeifahren austauschen und schon war sie wieder vorbei. Spontan entschied ich mich, noch einmal hinterher zu jagen. Schnell war ich da und fuhr eine Weile neben ihr her. Sie schien etwas müde von dem wirklichen sehr langem Anstieg zu sein, doch wirkte sie mental noch absolut fit. Wir redeten eine Weile. Sie hoffte auf eine Dusche am Checkpoint. Ich schlug ihr vor, doch wie Juliana in den Bergsee zu springen. Außerdem war ich mal wieder von meinem schlechten Englisch beeindruckt. Ich brauche definitiv mehr Übung im Englisch sprechen. Etwa drei Kilometer fuhr ich mit dieser beeindruckend starken Frau, dann drehte ich wieder um. Mein Plan war nun, wieder Richtung Deutschland zurück zu fahren.

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Hier treffe ich Melissa Pritchard. Sie belegte später den 28. Platz und wurde die erste Frau. Durchschnittlich fuhr sie etwa 320 km pro Tag.

Später entdeckte ich dieses Foto. Sie ist also tatsächlich in den Bergsee gesprungen.

Tolle Frau! Definitiv ein Vorbild für weitere Unternehmungen!

Während ich verträumt die Straße runter fahre, sehe ich plötzlich einen Rennradfahrer mit Apidura Taschen. Das sieht verdammt nach TCR aus! Aber auf Trackleaders war doch niemand direkt hinter Melissa zu sehen?! Ich entscheide mich, umzudrehen und ihn zu fragen. Er heißt Lee Pearce und seine Batterien für den Tracker waren leer. Somit konnte ich gar nicht wissen, dass er sich hier befand. Auch mit ihm fuhr ich ein paar Kilometer. Er hatte am Anfang des Rennens ein paar Problemchen gehabt und war weiter hinten, als er sein wollte. Doch wirkte er sehr munter und fit. Er war deutlich schneller als Melissa unterwegs. Mein Englisch wurde langsam auch wieder besser.

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Lee Pearce ist nicht weit hinter Melissa Pritchard gewesen. Er belegte am Ende Platz 22.

Ich drehte wieder um und fuhr den Berg wieder weiter runter. Kaum hatte ich meine Ruhe, da tauchte schon wieder der Nächste auf. Die Straße wurde langsam richtig beliebt bei TCR-Fahrern 😀

Der Fahrer hieß Paul Toigo. Auch mit ihm fuhr ich ein kleines Stück zusammen.

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Dies ist Paul Toigo. Er musste leider 300 km vor dem Ziel aufgeben.

Simon Bottomley verpasste ich knapp, da ich mich für die ruhige Parallelstraße entschieden hatte.

Ich machte mich auf dem Weg zu einem weiteren Campingplatz. Ich musste den Artikel vom Vorabend noch aktualisieren und brauchte WLAN. An einem netten Campingplatz angekommen, wollte WordPress nicht so richtig funktionierten. Ich versuchte ewig, den Text irgendwie hinzubekommen. Letztendlich kam dieser Artikel bei raus.

Als ich fertig war, war es schon dunkel. Also musste das Tarp im Dunkeln aufgebaut werden. Der Campingplatz war riesig und für seine Größe sehr leer. Ich fand recht bald eine ruhige Ecke, wo noch niemand war. Doch das mit der Ruhe dauerte nicht lange an. Bald hatte ich eine deutsche Großfamilie neben mir, die mich beim Tarp aufbauen beobachtete und mich neugierig ausfragte. Sie waren aber sehr nett. Glücklicherweise klappte der Aufbau ohne peinliche Probleme 😀

Somit ging ein weiterer Tag zu Ende. Das kurze Fahren mit den Teilnehmern hatte enorm motiviert und sehr viel Spaß gemacht. Ich denke, es war die bessere Entscheidung, als noch einmal zum Checkpoint hoch zu fahren. Mein Knie war auch nicht schlechter geworden, die meiste Zeit ging es aber ja auch bergab.

Strava-Link: ein paar TCR Fahrer treffen

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Ein sehr ruhiger Platz 🙂 Campingplätze kosten in der Slowakei meist nur 7€ für Radfahrer.

Am nächsten Vormittag ging es dann weiter. Ich wollte mich nun vom Transcontinental Race verabschieden und mich auf meine Rückfahrt konzentrieren.  Trotzdem traf ich auf der Hauptstraße noch kurz einen Fahrer, doch es blieb beim sich freudig zu winken. Ich hatte einen langen Anstieg vor mir. Glücklicherweise ging es dem Knie wieder gut. Von oben erwartete mich ein absolut toller Ausblick.

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Die Landschaft war hübsch und ich begegnete vielen Rennradfahrern. Kurz hinter der polnischen Grenze sah ich einen kleinen kostenlosen Campingplatz. Spontan entschied ich mich, dort zu bleiben. Zwar hatte ich an diesem Tag nicht viele Kilometer geschafft, doch das könne ich ja am nächsten Tag nachholen.

Strava-Link: tschüs TCR

Ich entschied mich, sehr früh morgens los zu fahren. Ich wollte Kilometer machen. Meine Route führte mich an der polnisch, tschechisch, slowakischen Grenze entlang.

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Viele polnische Hügel – teilweise sehr steil.

An einer schicken Kirche, wo ich eigentlich nur Wasser auffüllen wollte, musste ich mir dann noch ein paar Fotoalben der Kirche ansehen. Leider sprach der freundliche Herr nur etwas, was wahrscheinlich polnisch war. Fast das Einzige, was ich verstand, war, dass es sich um eine traditionelle polnisch, slowakisch, tschechische Kirche handelt und sogar der Präsident schon zu Besuch war.

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Eine hübsche traditionelle Kirche, auch von Innen ist sie sehr schön.

Später begann es zu regnen – Dauerregen. Die Straßen waren auch doof. Viele große, langweilige Straßen. Dieser Tag machte nicht wirklich Spaß. Ich war sehr unmotiviert. Irgendwie konnte ich mich nicht wie sonst aufs Radfahren konzentrieren. Dauernd hielt ich an. Wie kann man so unmotiviert sein, nachdem man so viele Transcontinental Race-Fahrer getroffen hat? Ich müsste vor Motivation doch eigentlich fast explodieren.

Abends nahm ich mir ein günstiges Zimmer, um meine Akkus zu laden und etwas guten Schlaf zu bekommen. Besonders die Badewanne war ein Traum. Trotz des frühen Aufstehens hatte ich kaum Kilometer geschafft.

Strava-Link: weiter Richtung Deutschland

Am nächsten Tag war das Wetter wieder gut. Die Straßen und die Landschaft waren wieder schön. Dieser Teil von Tschechien erinnerte mich irgendwie an Mecklenburg. Nur dass die Hügel alle deutlich höher waren. Und die komischen Ortsnamen störten!

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Ein tschechisches Ortsschild

Obwohl nun alles bestens war, kam ich irgendwie trotzdem nicht vom Fleck. Dauernd hielt ich an und wollte nicht weiter fahren. Dabei war doch alles schön hier. Solche Probleme kenne ich eigentlich nicht von mir. Normalerweise bin ich doch viel zu gespannt auf die nächste Straße, um lange anzuhalten.

Ich fuhr durch ein hübsches Naturschutzgebiet, einen riesigen Wald, der eigentlich ein Mountainbikerevier war. Doch eine kleine asphaltierte Straße führte quer hindurch.

Die Höhenmeter wurden immer mehr. Ich befand mich eigentlich in einem traumhaften Gebiet für Rennradfahrer.

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Ein hübscher Sonnenuntergang in Tschechien…

Ich entschied mich, in die Nacht hinein zu fahren. Doch es wurde sehr kalt. An einer schönen, versteckten Stelle legte ich mich in den Biwaksack. Ein paar Stunden Schlaf würden mir bestimmt gut tun. Doch nach etwa einer Stunde stand ich wieder auf. Es war zu kalt. Doch ich war recht zuversichtlich, dass mich der kommende Anstieg wieder aufwärmen würde. Das tat er nicht. Ich hatte eine Windweste, Windjacke, Regenjacke und dicke Daunenjacke über dem Trikot an. Es half nichts. Ein eisiger Wind schlug mir entgegen.

Mit sowieso schon angeschlagener Motivation entschied ich mich daraufhin, zum Zug zu fahren. Also wieder bergab. Ich war am Dauerbibbern. Die erste Zug-Station war leider noch zu. Deshalb fuhr ich zur Nächsten. Diese hatten einen Warteraum mit angestellter Heizung und einem Kaffeeautomaten. Ich war glücklich über mein tschechisches Kleingeld für den Kakao und setzte mich an die Wärmequelle. Warm wurde mir trotzdem nicht.

Strava-Link: der letzte Tag

Irgendwie lief diese Tour nicht so, wie ich es wollte. Ich konnte mich nicht aufs Radfahren konzentrieren. Ich fragte mich viel: „Warum?“ Beschäftigte mich der Stress von zu Hause?

Frühmorgens stieg ich also in einen tschechischen Zug und fuhr bis nach Prag. Von dort stieg ich in einen Fernbus und fuhr mit dem zurück nach Lübeck. Mir war wieder warm geworden, doch ich schlief recht viel.

Am übernächsten Tag lag ich mit Fieber im Bett. Dies würde vielleicht erklären, warum ich mich nicht nicht so wirklich gut gefühlt hatte. Vielleicht war ich von der vorherigen Krankheit auch noch nicht hundertprozentig fit. Oder ich hatte mir irgendetwas Neues  (wegen der Kälte) eingefangen. Keine Ahnung…

Insgesamt war es aber trotzdem eine absolut tolle Tour. Am Checkpoint gewesen zu sein, war eine super Erfahrung. Außerdem habe ich viele tolle Menschen getroffen. Ich bin viele schicke Berge hoch gefahren und habe tolle Landschaften von einer Gegend gesehen, die ich bisher noch nicht kannte.

Außerdem habe ich an meinem Geburtstag in einer polnischen Bushaltestelle geschlafen, habe meine persönlichen Höhenmeterrekord aufgestellt, hatte ein Flyby mit James Hayden (dem Sieger), habe Juliana Buhring getroffen und war an einem Checkpoint des Transcontinental Race. So einen Geburtstag muss man erst einmal toppen!

Viele Grüße
von einer inzwischen wieder recht gesunden Svenja 😉