Blog · Radreise

Spontan zum dritten Checkpoint des Transcontinental Race…

Leider war ich eine Weile krank und hatte ein paar schöne Touren, unter Anderem das 24 Stunden Rennen in Nortorf, verpasst. Nun stand das Transcontinental Race bevor und ich hatte den großen Wunsch, einmal vor Ort zu sein. Zeitlich schaffte ich es leider nicht zum Start nach Geraardsbergen. Gerne hätte ich die Stimmung vor und während des Starts miterlebt.

Später kam mir die verrückte Idee, zum dritten Checkpoint in die Hohe Tatra zu fahren. Dieser hübsche Gebirgszug liegt in den slowakischen Karpaten. Ein Fernbus fuhr bis nach Brünn in Tschechien. Von dort wollte ich dann mit dem Rad in die Slowakei. Dummerweise fuhr der Bus recht bald ab und ich schaffte es nicht mehr rechtzeitig, mein Rad fertig zu bekommen. Zum Beispiel wollte sich eine der Pedale nicht mehr lösen. Somit musste ich die spontane Idee spontan umplanen 😀

Die Pedale bekam ich doch noch ab, mithilfe eines Staubsaugerrohres als Hebel. Die neue Idee, die Slowakei zu erreichen, war diese: mit dem MV-Ticket der Bahn noch am selben Abend möglichst nah an die polnische Grenze zu kommen. Am dichtesten schien Neubrandenburg zu sein. Von dort wollte ich eine Nachtfahrt nach Stettin machen, um dann am nächsten Morgen mit dem Zug nach Südpolen zu fahren. Von Krakau aus sind es nicht einmal ganz 200 km zum dritten Checkpoint des Transcontinental Race.

Mit diesem neuen „gründlich“ überlegten Plan hetzte ich zum Lübecker Bahnhof. In der Bahn suchte ich dann nach Zuglinien in Polen. Naja, wird schon irgendwie…

Irgendwann kurz nach Mitternacht erreichte ich Neubrandenburg. Nun ging es mit dem Rad weiter.

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Hier begann die Nachtfahrt, am Bahnhof von Neubrandenburg.

Ich fuhr durch durch leere Straßen und genoss die Stille. Am Morgen erreichte ich Stettin, es folgte eine unfreiwillige Stadttour. Ich erwartete wirklich keine schöne Stadt, doch diese Hässlichkeit hat mich enorm beeindruckt. Die Infrastruktur war ebenfalls eine absolute Katastrophe.

Strava Link: von Neubrandenburg nach Stettin

Mit der unfreundlichen Dame am Ticketschalter bekam ich mich nicht verständigt. Erst als ich ihr mit dem Handy eine Linie nach Krakau unter die Nase hielt, klappte es, ein Ticket für mich und mein Rad zu bekommen. Nachdem ich den Zug beinahe verpasst hatte, weil er am falschen Gleis abfuhr, hatte ich eine lange, ruhige Zugfahrt. Ich musste nicht umsteigen und legte ich mich entspannt neben mein Rad, um etwas Schlaf nachzuholen. Dies schien ganz gut zu gelingen, auch wenn es sehr weit weg von Tiefschlaf war. Während alle leicht bekleidet in den Zug stiegen, war ich dick eingepackt. Das hat man davon, wenn man direkt an der Klimaanlage schläft! 😀

Abends erreichte der Zug Krakau. Diese Stadt wirkte schön. Kein Vergleich zu Stettin! Ich deckte mich mit Verpflegung ein und fuhr in die nächste Nacht hinein. Ziel war es, Björn Lenhard und James Hayden, die beiden Führenden, noch zu Gesicht zu bekommen. In Südpolen erwarteten mich viele kräftezehrende steile Rampen, dazu Hitze. Die Nacht war angenehm. Doch die tausenden Hunde nervten. Die Gegend ist sehr eng besiedelt und jedes Haus schien mindestens einen Wachhund zu besitzen. Die Folge war Dauergebelle. Ein paar Hunde liefen auch frei herum, doch nur zwei von ihnen verfolgten mich. Da ein Hauptthema in der Transcontinental Race-Facebookgruppe das Verhalten gegenüber wilden Hunden ist, war ich gut vorbereitet.

Irgendwann mitten in der Nacht hielt ich an einer großen, gut geschützten Bushaltestelle und schlief dort 2,5 Stunden. Gestärkt ging es weiter. Mich erwartete ein traumhaft schöner Sonnenaufgang.

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Leider kommen auf dem Foto die tollen Farben des Sonnenaufgangs nicht rüber.

Bei einem schönen polnischen Anstieg sprang meine Kette nach innen zu den Speichen.

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Dies ist der verhängnisvolle Hügel.

Die Kraft, sie wieder herauszubekommen, hatte ich nicht. Doch ich hatte Glück. Grade, als ich aufgegeben hatte, hielt ein älterer, kräftiger Einheimischer an der ziemlich einsamen Straße. Wir konnten uns zwar nicht wirklich verständigen, doch schien er ein wenig Ahnung von Fahrrädern zu haben und zog ohne zu zögern an der Kette. Nach zwei Versuchen hatte er sie losbekommen. Ich konnte ihm gar nicht genug danken.

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Im Hintergrund ist die polnische Seite der Hohen Tatra zu sehen.

Mit schwarzen Händen ging es weiter. Gegen viertel nach zwei erreichte ich die slowakische Grenze. Die Hitze kostete Kraft. Ein Thermometer zeigte 38 Grad Celsius an. Kurz nach der Grenze erwartete mich ein längerer Anstieg. Es ging bis auf etwa 1000 Meter über den Meeresspiegel hinauf. Hier durfte ich mich an eine nette polnische Rennradfahrerin und einen Rennradfahrer dranhängen und absolvierte diesen Berg eher zügig.

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Auf dem etwa 1000 m hohen Gipfel hatte ich einen tollen Ausblick.

Anschließend verfuhr ich mich noch etwas. Der dritte Checkpoint des Transcontinental Race kam immer näher, doch hatte ich schon länger die Hoffnung aufgegeben, Björn und James noch zu erwischen. Ich ließ mir also Zeit.

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Ein toller Radweg führte mich zur Hohen Tatra. Doch der danach war die absolute Katastrophe. Zum Glück musste ich ihn nur bergauf fahren.

Doch auch Björn und James waren langsamer als erwartet. Björn verpasste ich knapp. James sah ich für etwa eine Sekunde an mir vorbei rauschen.

Der Weg zum Checkpoint, einem Berghotel, war klein, schmal, steil und hatte teilweise einen sehr schlechten Belag, oftmals Gravel. Sieben Kilometer sich ordentlich quälen – und das mit dem ganzen Gepäck. Ich hatte eher viel mit, es sollte ja schließlich gemütlicher Urlaub und kein Rennen sein. Nach ein paar Erschöpftheits…ähm…Fotopausen kam ich schließlich oben auf über 1600 Metern Höhe an.

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Es geht hinauf zum Checkpoint. Bei derartig schönem Asphalt bleibt es leider nicht.

Die letzten Kilometer erwischte mich noch etwas erfrischender Regen.

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Der Anstieg ist bald geschafft.

Oben angekommen erwartete mich ein modernes Hotel und ein malerisch schöner Bergsee. Kurz darauf fand ich ein paar überraschte Helfer des Rennens. Ich wurde freundlich willkommen geheißen und man bot mir eine Dusche an, die ich natürlich dankend annahm. Gespannt wartete ich auf die nächsten Teilnehmer, die nicht mehr weit vom Checkpoint entfernt waren.

Somit ging meine Geburtstagstour zum Checkpoint zu Ende. 200 km hatte ich von Krakau aus zurück gelegt. Etwa 3600 Höhenmeter musste ich bewältigen. Für mich als Flachländerin ist dies eine absolut irre Zahl.

Strava-Link: Von Krakau zum Checkpoint 3

Dies war der erste Teil meines kleinen Abenteuers. Teil zwei findet ihr hier! 🙂

Viele Grüße
Svenja

8 Kommentare zu „Spontan zum dritten Checkpoint des Transcontinental Race…

  1. P.S. Ich hab inzwischen bei längeren Touren immer Einweg-Gummihandschuhe dabei. Gut für Reparaturen, halten die Hände aber auch bei Wettereinbrüchen (na gut, eher ein Thema in den Bergen) warm, ich ziehe die dann unter die Radhandschuhe und evtl. noch dünne Langfingerhandschuhe drüber.

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