Die #festive500 Herausforderung hatte mich schon gereizt. Coole Sache und eigentlich schien das gut machbar, vom 24.12. bis zum Neujahr 500 km zu fahren. Dafür müssten auch zwei Tage reichen, dachte ich mir und plante eine schöne 500 km Runde.

Doch hatte ich die ganze Zeit auch noch Simons Tour im Kopf. Er und ein paar andere „Verrückte“ planten, die 500 km in one go zu fahren. Abends zu starten, die Nacht durchzufahren und irgendwann am nächsten Abend wieder zuhause zu sein. Das klingt echt toll! Einfach mal 24 h nur Rad zu fahren. Aber für mich war dies irgendwie doch etwas utopisch. Mein Distanzrekord lag bei 285 km. Diesen hatte ich eineinhalb Wochen zuvor aufgestellt. Ich war noch nie eine ganze Nacht durchgefahren und hatte keine Ahnung, wie mein Körper darauf reagieren würde. Die meisten Teilnehmer hatten bereits über 10 000 Jahreskilometer hinter sich, ich etwas über 8000. Hat sich mein Körper schon von den 285 km von vor einer Woche erholt? Keine Ahnung. Nein, ich glaube, das ist mir zu verrückt.

Aber so eine schöne Quatschtour einfach zu verpassen?  Ein Drittel der Starter kannte ich schon von den 285 km, alle total nett. Eigentlich kann ich ja einfach aussteigen, wenn es mir zu viel wird. Und meine eigene Tour kann ich ja irgendwann später mal fahren. Und die Vernunft auszusteigen, bevor ich mich total kaputt mache, würde ich bestimmt auch haben. Also sagte ich am Abend vorher doch noch zu. Schnell noch packen, Kette wechseln und auf geht’s mit dem Zug nach Hamburg!

Am Altonaer Balkon trafen sich nun Dienstag Abend um 18 Uhr fünfzehn „verrückte“ Leute, die diese Tour tatsächlich fahren wollten. Echt irre, dass sich so viele dafür gefunden hatten. Sogar drei Berliner und zwei Flensburger waren am Start. Am Vortag war noch starker Sturm. Dieser hatte zum Glück etwas nachgelassen. Die ersten 200 km kam der Wind schräg von vorne. Aber langsam fuhren wir  wegen starker Führungsarbeit trotzdem nicht. Ich versteckte mich viel im Windschatten, der mir freundlicherweise auch oft angeboten wurde. Eigentlich war es nur geplant, die ersten 65 km zusammen zu fahren. Erstaunlicherweise schienen aber alle recht glücklich mit dem Tempo zu sein, sodass wir zusammen blieben. Auf der rechten Seite der Gruppe fand ich’s ganz entspannt, auf der linken schon etwas fordernd. Wie es ganz vorne gewesen ist, will ich mir lieber gar nicht vorstellen. Allerdings tat mir bereits nach 15 km alles weh. Schmerzen unterm rechten Schulterblatt, die ich mir bei einer 30 km Fahrt mit Rucksack geholt hatte und wo ich dachte, die wären weg. Außerdem tat plötzlich mein Nacken weh. Mit dem hatte ich noch nie Probleme. Was soll der Mist? Dazu kam dann auch noch mein rechtes Knie, was anfing, rumzuzicken. Na super, so komm ich ja nichtmal bis nach Flensburg. Scheiße, scheiße, scheiße… Ich hätte doch nicht mitfahren sollen. Somit war ich wohl die Einzige, die ihr absolutes Tief bereits nach den ersten Kilometern hatte. Glücklicherweise kam ich irgendwann – nach 60 km oder so – auf die Idee, dass das mit dem Nacken auch an der Kälte liegen könnte und zog mir noch einen zweiten Schal an. Und plötzlich wurde der Nacken immer besser. Problem Nummer eins gelöst! Der Schmerzpunkt unterm Schulterblatt hat wohl irgendwann gemerkt, dass er einfach ignoriert wird und sich dazu entschieden, mit dem Quatsch aufzuhören. Problem zwei auch gelöst! Das Knie hatte sich inzwischen wohl warm gefahren und meldete sich auch nicht wieder. Also war Flensburg doch wieder realistisch.

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In Flensburg angekommen, um drei Uhr nachts,  ging es mir eigentlich sehr gut, nur mein Kopf wurde plötzlich sehr müde. Dies änderte sich glücklicherweise schnell aufgrund der schönen dänischen Hügel. Um sechs Uhr morgens fuhren wir dann auf die Fähre nach Fyn. Mir ging’s super und ich war sehr optimistisch, die Strecke bis nach Fehmarn zu schaffen.

Strava Link Teil 1 (bis zur ersten Fähre)

Mit Rückenwind ging es nun über Fyn, Tåsinge und Langeland. Bis auf die absolut aggressiven Autofahrer und der Pannenserie auf dem einen Radweg war eigentlich alles ganz schön – super Wetter und sogar ein schöner Sonnenaufgang.

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Aufgrund der Pannen verpassten wir die Fähre nach Lolland knapp und hatten somit eine etwas größere Pause.

Strava-Link Teil 2 (bis zur Fähre nach Lolland)

Von dort rollten wir noch ganz gut nach Rødby zur nächsten Fähre.

Strava-Link Teil 3 (bis nach Rødby zur Fähre)

Nun waren wir wieder in Deutschland. Einer stieg in den Zug, der Rest kämpfte wieder gegen den Wind. Das kostete Kraft. Jetzt erst, nach über 350 km, teilten wir die Gruppe auf. Ich hätte niemals gedacht, dass wir so lange zusammen bleiben. Echt toll! Ich fuhr in einer fünfköpfigen langsamen Gruppe weiter. Nun war ich aber plötzlich auch absolut müde und erschöpft und versuchte irgendwie, meiner Gruppe zu folgen. Glücklicherweise hielten wir nach ein paar Kilometern noch an einer Tanke, wo ich tatsächlich eine Cola kaufte. Eigentlich mag ich gar keine Cola. Aber nachdem ich die 0,5er Flasche fast in einem Zug getrunken hatte, ging’s mir plötzlich wieder bestens. Ich hatte das Gefühl zu fliegen, wollte vorne fahren, hab mich über jeden Hügel gefreut und meine Laune war bestens. Erstaunlich, was eine kleine Cola so bewirken kann. Zwei von uns fünf fuhren nur noch bis zum Bahnhof nach Lensahn mit. Dem einen schien es so gar nicht gut zu gehen. Zu dritt ging es nun durch die holsteinische Schweiz nach Eutin. Schön hügelig. Das hat echt Spaß gemacht. Ich hoffe, ich bin euch nicht mit den freudigen Ankündigungen über kommende Hügel auf die Nerven gegangen. Gefühlt war ich wieder in Bestform. Wir hatten uns eigentlich überlegt, in Eutin in den Zug zu steigen. Aber da es mir plötzlich so gut ging, überlegte ich noch, die letzten Kilometer nach Lübeck zu fahren. Allerdings wäre die Strecke nicht besonders schön gewesen (komplett quer durch Bad Schwartau und Lübeck, ich hasse Bad Schwartau), für die 500 km hätte es auch nicht gereicht und nun plötzlich alleine weiter zu fahren…hmmm….vielleicht lässt die Colawirkung auch gleich wieder nach. Und gab’s da nicht diesen doofen Spruch, man solle aufhören, wenn’s am schönsten ist?

Strava Link Teil 4 (bis Eutin Bahnhof)

Somit stieg ich mit guter Laune nach 430km in den Zug von Eutin nach Lübeck. Meine beiden Mitfahrer stiegen in Lübeck in den Zug nach Hamburg um und wir trafen sogar noch auf die zwei in Lensahn zurückgelassenen Mitfahrer. Ich machte mich noch auf den Weg, die letzten vier Kilometer nach Hause zu fahren. Ein paar Stunden später haben dann sechs heldenhafte Mitfahrer die 500 km bis nach Hamburg voll gemacht. Glückwunsch! 🙂

Vielen Dank an Simon für die tolle Planung. Vielen Dank an die Schnellen für das auf die Langsameren Rücksicht nehmen! Vielen Dank, dass ihr vorne die Windarbeit gemacht habt. Vielen Dank an die, die tolle Fotos gemacht haben (insbesondere Jan und Malte). Vielen Dank an die, die uns kurzzeitig begleitet haben. Es war eine wirklich schöne Tour und eine echt tolle Erfahrung! Ich bin froh, trotz aller Zweifel mitgefahren zu sein. Ach und uuups….schon wieder ein neuer persönlicher Distanzrekord: 434km.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Viele Grüße
Svenja