Nachdem mein Rennrad nach einem Schalthebelproblem wieder fahrbar war, entschied ich mich zu einer kleinen, schnellen, spontanen Tour. Das Wetter war gar nicht mal so schlecht angesagt und ich hatte noch 4 Tage frei. Dieses Mal hatte ich das schöne Dänemark ins Auge gefasst. Der Hauptgrund dafür waren die vielen schönen Shelter-Plätze, die die Zelt-/Tarp-Mitnahme nicht notwendig machen. Außerdem liegt das Land für mich als Lübeckerin fast vor der Haustür.

Am Donnerstag um 10:15 ging es dann los. Von Lübeck aus fuhr ich über viele kleine Dörfer, den Nordostseekanal, Eckernförde und Flensburg. Natürlich hatte ich wieder kein Glück mit dem Wind. Anfangs Nordost, später eher Ost. Aber ich hatte es ja nicht eilig. Der Himmel war zwar sehr grau, aber es blieb trocken. An der Schlei machte ich eine kleine Pause. Hier hatte ich das Gefühl, gleich weggeweht zu werden.

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Irgendwann ließ ich dann auch Flensburg hinter mir und folgte dem Wegweiser für Radfahrer über die Grenze. Wann genau ich die Grenze überfahren habe, weiß ich leider nicht. Kein Willkommensschild! Nur eins mit einem Pfeil und einer „Tyskland“-Beschriftung, das in die Richtung zeigte, aus der ich kam. Also war ich scheinbar wirklich schon in Dänemark. Nun ging es erst einmal recht unspektakulär die Hauptstraße nach Aabenraa entlang. Als ich in der Stadt war, war es schon dunkel. Zehn Kilometer hinter der Stadt erreichte ich schließlich einen der schönen Shelter-Plätze. 226 km hatte ich geschafft. Und ich hatte trotzdem noch genug Energie für einen Freudentanz aufgrund des wirklich absolut traumhaften Schlafplatzes. Ich lag eingekuschelt in meinen Schlafsack mit Blick auf den Strand und die Brandung. Da fast Vollmond war, sah man diese auch mitten in der Nacht. Dazu das laute Meeresrauschen. Traumhaft schön. Eindeutig der schönste Schlafplatz meines Lebens bisher! Nur vielleicht etwas zugig aufgrund des Ostwindes…

Strava-Link: Tag 1

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Am nächsten Morgen wollte ich gar nicht aufstehen, so schön war es hier. Ich beobachtete die Möwen bei ihren Jagd nach den Meerestieren. Ihr Frühstück schien sehr üppig auszufallen. Irgendwann konnte ich mich dann aber doch überwinden, den warmen Schlafsack zu verlassen. Mit leicht müden Beinen ging es nun weiter Richtung Kolding.

Dass das dänische Festland wellig ist, wusste ich ja. Aber dass es so wellig ist, wusste ich dann doch nicht. Es fuhr sich aber sehr schön. Auf jeden Fall muss ich auch die dänischen Radwege loben. 1000 Klassen besser als in Deutschland.

Ich hatte Glück und es kam sogar noch die Sonne raus. In Hejlsminde machte ich an einem sehr niedlichem Hafen direkt an einem großen, hübschen Strand eine kleine Pause.

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Anschließend bin ich etwas auf Abwege geraten. Aber so schöne Abwege nimmt man gerne mal mit.

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Später fuhr ich über die alte Kleine Belt Brücke auf die Insel Fyn. Kurz hinter der Brücke machte ich erneut eine kleine Pause.

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Anschließen fuhr ich die Südküste von Fyn entlang. Hier sind sehr viele schöne, kleine, gut asphaltierte Straßen, wo das Fahren sehr viel Spaß macht. Allerdings hatte ich sehr mit dem Ostwind zu kämpfen. Und es war wirklich viel Ostwind. Die Beine wurden immer müder und aus langsam fahren wurde schließlich schleichen. Dummerweise hatte ich noch viele Kilometer vor mir, um den nächsten eingespeicherten Shelterplatz zu erreichen. Die letzten 50 km dieser Tour waren sehr hart. Ich guckte alle paar Sekunden aufs Navi, in der Hoffnung wieder einen Kilometer geschafft zu haben. Aber ein Kilometer dauerte ewig. Ich wurde langsamer und langsamer und erfand irgendwelche Gründe, um mal kurz anzuhalten. Gefühlt nahm der Wind auch noch immer weiter zu. Ob dies wirklich der Fall war, weiß ich nicht. Jedenfalls war die Brücke von Fyn nach Tåsinge wegen des schräg von vorne kommenden Windes für mich nicht befahrbar. Ich konnte den Lenker beim Schieben kaum halten. Also noch ein Spaziergang, der den sowieso schon schlechten Schnitt noch einmal deutlich verschlechterte. Nachdem ich mich auf der Insel noch über einen kleinen, in diesem Moment aber gigantischen Hügel gekämpft hatte, war ich auch schon fast am Shelterplatz. Total fertig kam ich nachts an und fiel einfach nur noch in den Schlafsack. Ich hatte an diesem Tag 202 km geschafft. Die Fahrzeit betrug aber zwei Stunden mehr als am Vortag. Die Pausen werden auch deutlich länger gewesen sein. Dies war mit Abstand meine härteste sportliche Erfahrung.

Strava-Link: Tag 2

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Der vordere Unterstand war übrigens sogar belegt. Wer auch immer da war, sorry fürs wahrscheinlich nachts wecken/erschrecken. Am nächsten Morgen schlief ich sehr lange und sehr fest, sodass ich den Aufbruch meines (oder meiner) Nachbarn gar nicht mitbekommen habe.

An meinem dritten Tour-Tag regnete es leider. Ich stellte fest, dass sich an meiner Satteltasche das eine (wichtigste) Band zur Befestigung gelöst hatte. Die Naht war kaputt. Na super! Glücklicherweise hatte ich im letzten Moment noch Nadel und Faden eingepackt. Und glücklicherweise hatte sie die Tour gestern grade noch so überlebt. Also  nähte ich noch etwas und dann packte ich ganz langsam und entspannt alles wieder zusammen. Raus in den Regen! Ich fuhr dann erst nachmittags los. Da die Route nun in Südostrichtung gehen sollte, hatte der Wind natürlich mitgedreht und kam genau von vorne. Im Gegensatz zum vorigen Abend kam mir meine Geschwindigkeit aber nun wie Fliegen vor. Ich durfte nur nicht auf den Tacho schauen, der mir meine Illusion zerstörte. Der Vorteil am Südostwind war, dass ich nun das sehr windige Stück offene Ostsee nach Langeland problemlos fahren konnte, ohne dass mir der Lenker zur Seite geweht wurde. Meine Laune war trotz des Wetters wieder bestens und ich kämpfte einfach gegen Regen und Wind, während ich fröhlich Lieder vor mich hin summte. Gut dass niemand da war, der mich hätte hören können.

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Nach einer gemütlichen Fährfahrt von Spodsbjerg nach Tårs fuhr ich durch Nakskov an die Südküste Lollands, wo ich auf einer schönen Schotterpiste landete. Mein Navi meinte, es wäre Asphalt. Aber da es keine Parallelstraße gab, blieb ich dort. So schlecht fuhr sie sich auch gar nicht. Bei Helligkeit wäre die Strecke bestimmt auch sehr schön gewesen. Leider hatte ich aber eine sehr dunkle Nacht erwischt, die wenig Sicht zuließ. Etwas durchnässt und müde kam ich dann irgendwann in Rødby an. Von dort nahm ich die Fähre nach Puttgarden. Da ich aber absolut keine Lust auf noch mehr Gegenwind hatte und ich den letzten Zug grade verpasst hätte, erklärten sich meine Eltern netterweise bereit, mich abzuholen. Somit hatte ich eine warme gemütliche Rückfahrt zurück nach Lübeck, wo ich dann auch gleich über sämtliche Details meiner kleinen kurzen Reise ausgefragt wurde. 🙂

Strava-Link: Tag 3 Teil 1         Strava-Link: Tag 3 Teil 2

Wahrscheinlich war dies die letzte Gelegenheit vor Weihnachten, etwas Derartiges zu unternehmen. Nun geht das Semester auch wieder richtig los und mal sehen, wie viel Zeit bleibt, um ein paar schöne Unternehmungen zu starten.

Vielen Dank fürs Lesen! Ich wünsche euch allen noch einen schönen Herbst mit möglichst vielen trockenen Radfahrten! 🙂

Liebe Grüße
Svenja