Von Lübeck zum Brocken – das sind etwa 300 km. Eigentlich an einem Tag machbar, dachte ich mir bereits vor einigen Monaten. Also packte ich an einem schönen Sommertag meine Sachen und fuhr los. Dummerweise zerstörte ich bei Kilometer 40 mein Handy, das als Navi diente. Blöd gelaufen. Ohne Orientierungshilfe weiter fahren? Das war mir dann doch etwas zu abenteuerlich, sodass ich wieder zurück nach Hause gefahren bin. Schade eigentlich, wäre bestimmt auch eine spannende Tour geworden. Den Harz hätte ich bei meinem Orientierungssinn zwar nie gefunden… 😀

Diese missglückte Tour führte dann aber dazu, dass ich mir endlich ein Fahrradnavi kaufte, den Blaupunkt BikePilot. Die beste Investition seit meines Rennrades! Nach einigen Monaten Benutzung kann ich sagen, dass es wirklich sehr robust ist.

Spontan entschloss ich, die hochsommerlichen Temperaturen im September zu nutzen, um die Harztour nachzuholen. Erst ging es zu meinen Großeltern in die Nähe von Lauenburg. 80 km durch die Hitze (über 30°C). Zwischendurch gönnte ich mir eine Pause und kündigte meinen Besuch mal eben telefonisch an.

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Am nächsten Morgen ging es dann weiter. Die Hitze blieb. Ein Thermometer zeigte 34°C an. Windtechnisch hatte ich auch kein Glück. Die meiste Zeit kam er schräg von vorne. Naja egal, dann brauch ich eben etwas länger, dachte ich mir. Die Freude, den ganzen Tag einfach nur Rad zu fahren, überwog, sodass mich das Wetter nicht störte. Nach etwa 170 km machte ich dann mal eine kleine Pause. Das war das einzige Mal, wo ich mich gemütlich hingesetzt und den Ausblick genossen habe.

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img_20160914_181439228_hdrDie Pausen davor bestanden nur aus einem kleinen Einkauf bei Lidl und dem Trinkflaschen auffüllen. Insgesamt dürfte ich übrigens etwa 8,5l  getrunken haben, was zu häufigen Flaschen-Auffüllpausen führte. Vielen Dank hier an die netten Leute, die mir ihr Leitungswasser spendiert haben und an die schönen Friedhofswasserleitungen mit dem so angenehm kaltem Wasser.

Nach etwa zehn Minuten ging es weiter. Ich fuhr durch Königslutter und gefühlt kurze Zeit später erreichte ich auch schon Wernigerode. Allerdings war es nun schon dunkel. Schlafplatz suchen oder noch zum Brocken rauf fahren? Meine Beine fühlten sich eigentlich noch ganz gut an und mein Kopf freute sich auf einen richtigen Berg. Also Brocken bei Nacht! Es war fast Vollmond und der Himmel sternenklar. Eigentlich eine ziemlich helle und warme Nacht – ideal. Nahezu keine Autos, somit war alles wunderbar ruhig. So macht Radfahren Spaß! Oben angekommen merkte ich erstmal, wie verdammt windig es war. Das Rad wollte kaum am Stein stehen bleiben. Ich zog erstmal lange Sachen an und genoss dann leicht fröstelnd den Ausblick. Keine Menschenseele war zu sehen, nur die ganzen kleinen Lichter der Orte, die Sterne, der Mond und die dunklen Umrisse der Hügelketten. Traumhaft!

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Da mir dort oben etwas kalt wurde, bin ich dann doch wieder recht schnell nach unten gefahren. Nach einer kleinen Wanderung fand ich eine nette, kleine Schutzhütte, wo ich mein Nachtlager aufschlug. Ein paar Stunden Schlaf noch bis zum nächsten Morgen. 275 km hatte ich geschafft – mein persönlicher Distanzrekord.

Strava-Link: Brocken Tour

Am nächsten Morgen bin ich dann eine sehr schöne Strecke mit schönen Serpentinen und schönen Abfahrten nach Herzberg gefahren. Die Beine waren etwas müde, aber die 40 km meisterten sie noch ganz gut. Nach einem schönen Bad im See ging es dann mit dem Fernbus nach Hamburg und von dort mit der Bahn zurück nach Lübeck.

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Insgesamt eine sehr nette Tour, die ich bei Nordwind vielleicht mal wiederholen werde.